Die Märchenhochzeit stand vor der Tür. Diana ging
am Vorabend ihrer Trauung früh zu Bett und erstaunlicherweise schaffte sie es, im Haus
der Königinmutter recht bald in den Schlaf zu fallen.
Ihr Verlobungsring, ein 85 000 Mark teurer Saphirring mit 14 Diamanten, lag auf
ihrem Nachttisch. Wie würde ihr neues Leben als Prinzessin von Wales aussehen? Hatte sie die
richtige Entscheidung getroffen? Würde sie es ertragen, ständig im Licht der
Öffentlichkeit zu stehen? Doch für solche Zweifel war es nun zu spät. Am frühen Morgen
nahm Diana ein heißes Schaumbad. Man brachte ihr Tee und Toastbrot mit Orangenmarmelade
aufs Zimmer, aber sie nippte nur ein wenig Tee. Dieses Herzklopfen! Konnte man es nicht in
ganz England hören? Sie war überwältigt bei dem Anblick der jubelbreiten Massen,
die sich schon seit Tagen versammelt hatten.
Dianas Lieblingskosmetikerin, kam mit einem großen Koffer voll Make-up, Puder und
Rouge ins Clarence House. Sie trug nur wenig Farbe auf das Gesicht von Lady Di, aber recht
viel tränenfeste Wimperntusche. Diana sollte frisch und unschuldig ausschauen, wenn sie
vor den Altar trat. Dann erschienen Elizabeth und David Emanuel, die Designer ihres Brautkleides, und
halfen Diana beim Ankleiden. Es war ein herrliches Gewand aus elfenbeinfarbener Seide mit
einer fast acht Meter langen Schleppe.
Das enge Mieder war mit wertvoller Spitze besetzt, die Ärmel üppig gerafft und
mit Schleifchen verziert.
Es kostete 25000 DM. Leider berücksichtigten die Modeschöpfer nicht
die Enge der gläsernen Kutsche, die Diana und ihren Vater zur St. Pauls Cathedral bringen sollte. Als die Braut der Kutsche entstieg, war das
Kleid verknautscht und voller Falten. Doch dieser Umstand tat der Schönheit und Anmut der
Braut keinen Abbruch. Diana erschien allen Betrachtern wie ein Märchengeschöpf.
Charles, in der Gala-Uniform der Marine, wartete
bereits mit der königlichen Familie und allen Gästen in der Kathedrale. Dianas Mutter
Frances und ihre Großmutter Lady Ruth Fermoy durften ganz in der Nähe der Königsfamilie
Platz nehmen, während Stiefmutter Lady Raine und der neue Mann von Frances mit den
hinteren Bänken vorliebnehmen mussten. Über 700 Millionen Menschen aus 58 Ländern verfolgten am Fernseher, wie die Braut
mit ihrem Vater den langen Mittelgang zum Altar hinunterschritt. Der Earl of Spencer hatte
Tränen in den Augen, denn es war nicht nur größte der Tag im Leben seiner Tochter
sondern auch in seinem! Ein wenig humpelte er doch er zeigte nichtsdestoweniger wahrhaft
königliche Würde und Stolz.
Die feierliche Zeremonie verlief nicht ohne kleine Pannen. Diana verwechselte bei
ihrem Jawort die Reihenfolge der Vornamen von Charles, nannte ihn Philipp Charles Arthur
George was Prinz Charles zu dem Scherz hinriss: ,,Diana, du hast soeben meinen Vater
geheiratet." Auch dem Thronfolger passierte ein Missgeschick.
Er beteuerte: "All deine Güter will ich mit dir teilen."
Selbstverständlich hätte er von seinen weltlichen Gütern sprechen müssen.
Außerdem steckte er den Ehering an die linke Hand. Aber was Charles am schlimmsten
passierte, war die Tatsache, dass er Diana nach der Trauung vergaß zu küssen. War das
ein schlechtes Omen? Die Trauungsfeierlichkeiten in der St. Paul's
Cathedral, die der Erzbischof von Canterbury abhielt, dauerten knapp anderthalb
Stunden.
Die anschließende Kutschfahrt in den Palast, die jubelnde Menge, das wohlgeübte,
aber noch so fremde Winken, absolvierte Prinzessin Diana wie in Trance. Was mochte die
20jährige in diesen Momenten wohl gefühlt und gedacht haben? Sie wirkte so gelöst,
entspannt und überglücklich. Der Druck war von ihrer Seele genommen. Sie hatte es nun
tatsächlich geschafft.
Ja, Lady Diana Spencer war die rechtmäßig angetraute Gattin des künftigen
Königs von England! Sie genoss
das Bad in der Menge, das ohrenbetäubende Jubeln, als sie
auf dem Balkon des Königspalastes einen Kuss
von Charles auf den Mund bekam. In diesen unvergesslichen
Momenten fühlte Diana sich von Gott und der Welt auserkoren:
Ich bin eine Prinzessin und werde einmal Königin von England. HURRA. Anschließend begab sich das Paar noch auf dem Balkon des
Buckingham Palace, wo sie sich vor den jubelnden Menschen küssten.
Das Traumpaar verbrachte die erste Nacht auf
Broadlands, wo schon Charles Eltern die Hochzeitsnacht verbrachten. Die Flitterwochen
verbrachte das frisch vermählte Ehepaar auf der königlichen Yacht Britannia.
Eine Mittelmeerkreuzfahrt stand auf dem Programm, ein Geschenk der Königin.
Allein und ungestört waren Charles und Diana allerdings nicht. Denn natürlich war
ein Stab von Bediensteten mit dabei. Aber nicht nur das. Charles nutzte die freie Zeit zum
Lesen von wissenschaftlichen Büchern und brachte auch sein altes Angelzeug mit. Welche
Enttäuschung für Diana! Sie träumte von romantischen Sonnenuntergängen an Deck,
engumschlungen mit Charles, wollte mit ihm im Bett frühstücken, unterm funkelnden
Sternenhimmel tanzen. Königin Elizabeth dachte da allerdings praktischer und baute einige
offizielle Termine mit ins Programm: Wenn der Paar schon Tunesien, Sardinien,
Griechenland, Ägypten besucht, können ein paar Antrittsbesuche nicht schaden...
. Elf Tage dauerte die Kreuzfahrt, die Diana trotz allem sehr genoss.
Direkt im Anschluss ging es nach Schottland. Auf Schloss
Balmoral warteten bereits die Königin und ihr Ehemann Prinz Philipp auf das Traumpaar. Im
Kreis der königlichen Familie sollten Diana und Charles also den Rest ihrer
Hochzeitsferien verbringen. Wie überaus romantisch! Der Thronfolger bemerkte die
Enttäuschung seiner jungen Frau nicht. Für ihn konnte es einfach nichts schöneres
geben, als lange Ausritte, Spaziergänge und Jagdausflüge.
Diana traute sich nicht, sich zu beschweren. Von allen
Seiten erhielt sie vor der Hochzeit den Rat, sich zu fügen. Auch und gerade von ihrem
Vater wurde sie ermahnt, sich der Ehre in die königliche Familie einheiraten zu dürfen,
würdig zu erweisen. Sie wollte das, aber konnte sie ahnen das alles so schwierig, so
formell ablaufen würde?