Prinzessin Diana
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Prinzessin von Wales

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6. September 1997:
Prinzessin Dianas BeerdigungN
och nie war es so still in London. Flugzeuge durften die Stadt nur in extremer Höhe überfliegen. Geschäfte waren geschlossen. Alle Sportveranstaltungen waren abgesagt. Die Welt weinte, um die "Rose Englands". Die Sonne scheint über London.


10:08 Uhr:
D
ie Totenglocke vom Turm von Westminster Abbey schlägt zum ersten Mal. Der Trauerzug verlässt den Kensington-Palast, Dianas letzten Wohnsitz. Von nun an schlägt die Totenglocke jede volle Minute — bis zur Ankunft in Westminster Abbey.
Der Sarg der Prinzessin ruht auf einer Lafette aus dem Jahre 1904 der Königlichen Reiterartillerie. Sechs Rappen sind angespannt worden, um sie auf ihrem letzten Weg durch London zu begleiten. Die blau-rot-goldene Königs-Standarte umhüllt ihren Sarg. Drei weiße Blumengestecke schmücken ihn. Das erste ist ein Prinzessin Dianas Beerdigungkleines, rundes Gesteck aus kleinen weißen Rosen. ln dem Gesteck ein Brief von Harry. Man kann das handgeschriebene Wort ,,Mumm" lesen.
ln der Mitte liegt ein großes weißes Gesteck aus Lilien. Die Lieblingsblumen der Prinzessin. Sie stammen von ihrem Bruder, Earl Spencer. Dahinter weiße Tulpen mit einer goldenen Schleife. Es ist der letzte Gruß von Dianas Sohn William. Menschen weinen und schreien immer wieder ,,Diana, Diana,.. Zwölf Soldaten der Welsh Guard, des Leibregiments der Princess of Wales, in roten Röcken und mit schwarzen Bärenfellmützen flankieren den Sarg. Überall zwischen den Menschenmassen am Straßenrand stehen Sicherheitsbeamte des englischen Geheimdienstes MI5.


11:09 Uhr:
Die Queen, ihre beiden Söhne Edward und Andrew, Prinzessin Margaret, Fergie und ihre beiden Töchter und ein paar Hofdamen stehen am Tor zum Buckingham-Palast. Sie warten auf den Trauerzug.


11:18 Uhr:
Dianas Sarg passiert den königlichen Palast. Die Welt blickt auf die Reaktion der Königin: Still verneigt sie sich einmal vor ihrer toten Ex-Schwiegertochter. Der Sarg zieht weitet; und die Queen geht zurück in den Palast.


11:23 Uhr:
Die Lafette erreicht den St.James-Palast. Die Residenz von Charles. Hier hatte Diana zuletzt mit ihm gelebt. Jetzt warten hier Prinz Charles, die beiden Söhne William und Harry, der Gatte der Königin, Prinz Philip. Und Dianas 33jähriger Bruder Earl Spencer. Alle tragen schwarze Anzüge mit schwarzen Schlipsen. Nur Prinz Charles‘ zweireihiger Anzug ist nachtblau.
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er einzige, der sich in dem Augenblick, da Dianas Sarg zu sehen ist, bekreuzigt, ist ihr Bruder. Noch  eineinhalb Kilometer sind es bis zur Westminster Abbey. Es wird der schwerste Weg, den Dianas Söhne je zurückgelegt haben. Still schreiten die fünf hinter dem Sarg her. Nur selten hebt sich der Blick der jungen Prinzen. Prinz William macht sich kleiner, als er ist. Er geht gebückt. Den männlichen Royals folgen 533 Vertreter von 106 karitativen Einrichtungen, die mit der Prinzessin zusammengearbeitet haben. Sie gehen zum Teil an Krücken. Fahren in Rollstühlen. Viele von ihnen tragen Schärpen und Abzeichen ihrer Organisationen. Immer wieder hört man "Diana, Diana" - Rufe. Immer wieder fliegen Blumen unter die Hufen der Rappen. Man sieht Papp-Plakate mit ,,Diana, we love you", ,,Good-bye, Diana". Fahnen aller Nationen säumen den Wegesrand.


11:44 Uhr:
Die Königin verlässt im schwarzen Rolls-Royce den Buckingham-Palast. Es geschieht, worauf ganz England sieben Tage gewartet hat: Die Flagge des Vereinten Königreichs -der Union Jack - wird auf Halbmast gezogen. ln diesem Moment klatschen Zehntausende Beifall. Über Tage war der Groll der Untertanen Ihrer Majestät gewachsen. Das Volk hatte das Schweigen der Königin bis zum Vortag nicht verstanden. Nach und nach treffen in der ehrwürdigen Krönungskirche die geladenen Trauergäste ein, unter anderem Hillary Clinton, Henry Kissinger, Margaret Thatcher, Edward Heath, James Callaghan, Imran Khan, Jemima Goldsmith, Karl Lagerfeld, Sting, Donatella und Santo Versace, Chris de Burgh, George Michael, Cliff Richard, Tom Cruise, Steven Spielberg, Tom Hanks. Deutschland wird vertreten durch den Botschafter Gerhard von Moltke. Da es kein offizielles Staatsbegräbnis ist, fehlen die Staatsoberhäupter. ln einem schwarzen Anzug schreitet auch Dodi AI Fayeds Vater Mohamed mit seiner jungen finnischen zweiten Ehefrau in die Kirche. Luciano Pavarotti lässt sich von zwei Damen stützen. Eine von Ihnen ist seine 23jährige Freundin Nicoletta. Man hatte ihn gefragt, ob er zu Ehren Dianas singen wolle. Aber Pavarotti abgelehnt, weil er es sich selbst nicht zutrauen würde. Zu tief sei sein Schmerz.


Punkt 12 Uhr (13 Uhr Londoner Zeit):
Die Trauergemeinde von 1900 Menschen füllt die Westminster Abbey bis auf den letzten Platz. Zehn Minuten zuvor ist Königin Elizabeth II. eingetroffen. Nach Absingen der Nationalhymne »God Save the Queen« richten sich alle Augen auf das Kirchenportal. Acht walisische Gardesoldaten tragen den Eichensarg auf ihren Schultern in die Basilika. Vor dem Altar setzen sie ihn ab. Vier große Kerzen umrahmen ihn. Die Königin und ihr Gemahl Philip legen ein kleines weißes Blumengebinde nieder. Prinz Charles und seine beiden Söhne treten vor. Auch sie legen ein kleines Gesteck nieder. Prinz Charles bekreuzigt sich anschließend. 


Der Trauergottesdienst beginnt. Lady Dianas Familie hat seinen Ablauf in ihrem Sinne geregelt. Er beinhaltet eine Mischung aus traditioneller Zeremonie und einem ganz persönlichen Abschied. Die beiden Schwestern der Toten ergreifen das Wort. 
Als erste Lady Sarah, die aus einem Gedicht zitiert:
"Sollte ich sterben und dich für eine Weile zurücklassen, sei nicht wie andere, verbittern, niedergeschlagen. Die im stillen Nebel lange wachen und Tränen vergießen. Geh ins Leben zurück und lächle für mich. Stärke dein Herz und deine zitternde Hand, um etwa zu tun, das andere Herzen als deines tröstet. Vollende meine unvollendeten Aufgaben, die mir so wichtig waren, und ich werde dir darin vielleicht Trost geben."
Danach spricht Lady Jane Sie verliest folgende Verse:
"Die Zeit verstreicht zu langsam für diejenigen , die warten, zu geschwind für diejenigen, die sich fürchten, sie ist zu lang für diejenigen, die sich freuen, aber für diejenigen, die sie lieben, ist sie ewig." 
Danach wird aus Verdis Requiem gesungen. Premierminister Tony Blair liest sichtlich bewegt aus dem
1. Korintherbrief, das 13. Kapitel, wobei er das in englischen Bibeln verwendete Wort »charity« durch »love« ersetzt: ,,Wenn ich mit Menschen — und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle." 


Ein Höhepunkt der Trauerfeier: Dianas persönlicher Freund Elton John begibt sich an einen Klavier und stimmt seinen Song "Candle in the wind" an. Zum Abschied für Lady Diana hat er es umgetextet ln ,,Goodbye. England‘s Rose:"  Als er ihn singt, weinen auch die Prinzen William und Harry. Von verantwortlicher Seite der BBC gab es die strikte Anweisung an die Kameraleute, während des Gottesdienstes nicht die Objektive auf die trauernden Familienmitglieder zu richten. Sie haben sich daran gehalten. 
Danach spricht ergreifend Dianas Bruder Charles. Immer wieder kämpft auch er mit den Tränen. Seine selbst
verfasste Rede hat der junge Graf Spencer vorher nicht der königlichen Familie vorgelegt. Er wollte verhindern, dass in seinem Text gestrichen wurde. Mit außergewöhnlichen und sehr persönlichen Warten würdigt er seine tote Schwester. Seine Rede beinhaltet aber auch kaum verhohlene Kritik am englischen Königshaus. Diana war ein Mensch von natürlichem Adel, klassenlos, und jemand, der im letzten Jahr bewies, dass man keinen königlichen Titel braucht, um einen besonderen Zauber zu behalten. Und er verspricht die beiden Prinzen vor der Kälte des Königshauses zu schützen, damit ihre Seelen nicht einfach in Pflicht und Tradition untergehen, sondern frei singen können.
Die Trauergemeinde spendet spontan Beifall — Etikette hin oder her. ln diesem Moment zählt nur das Gefühl der einzelnen. Zum ersten Mal, seitdem das ursprünglich normannische Kirchenschiff im Jahr 1065 eingesegnet wurde, gibt es Applaus in dem Gotteshaus Westminster Abbey. Und draußen, auf den Straßen Londons, im Hyde Park, wo Hunderttausende die Trauerfeier über riesige Bildschirme verfolgen, jubelt man wie bei einem Rockkonzert. Erzbischof George Carey spricht zur Trauergemeinde. Er würdigt Dianas Engagement für Aidskranke, Minenopfer und ganz normale Menschen. Er ist der einzige, der in diesem Moment auch Dianas Freund Dodi AI-Fayed, den toten Fahrer und den schwerverletzten Leibwächter erwähnt.


13.00 Uhr:
Der Gottesdienst ist zu Ende. Die acht Gardisten tragen den Sarg hinaus. Es folgt eine Schweigeminute. Diana tritt ihren letzten Weg an. Die Soldaten schieben den Sarg in einem schwarzen Leichenwagen. 123 Kilometer nördlich von London, in Althorp, soll sie auf dem Familienanwesen der Spencers beerdigt werden. Die Limousine rollt langsam durch London. Überall am Straßenrand stehen Menschen, die sich von Diana verabschieden wollen. Sie werfen Blumen aufs Dach, auf die Kühlerhaube, an die Stoßstange. Manchmal
muss der Fahrer den Scheibenwischer betätigen, um noch hinzuschauen zu können. Der Wagen nimmt seinen Weg über die Autobahn. Flankiert von Polizisten auf Motorrädern. Auf der Gegenfahrbahn bleiben die Autos stehen. Die Menschen steigen aus und winken Diana ein letztes Mal zu.
Eigentlich sollte Diana in der Familiengruft der Spencers ihre letzte Ruhe finden, in der Dorfkirche St. Mary the Virgin. Der 400-Seelen-Ort Great Brington hat nur eine Poststation, einen Pub und einen Krämerladen. Jeder kennt hier jeden. Um zu verhindern,
dass das kleine Dorf ein Wallfahrtsort wird, bestimmte die Familie Spencer eine kleine baumbestandene Insel im Schlossteich zu Dianas letzter Ruhestätte. Das riesige, 240 Hektar große Anwesen Althorp wird geschützt durch eine zwei Meter hohe rostbraune Steinmauer. So wird Dianas Söhnen William und Harry die Möglichkeit gegeben, das Grab ihrer Mutter zu besuchen.
16.30 Uhr:
Diana ist heimgekehrt. Das große schmiedeeiserne Gittertor von
Schloss Althorp schließt sich ein letztes Mal hinter ihr.
17.00 Uhr:
Prinzessin Dianas Beerdigungln aller Stille wird Diana beigesetzt Nur Prinz Charles, die beiden Söhne, Dianas Geschwister, ihre Mutter, Dianas beste Freundin und ein Geistlicher sind zugegen. Wenige Wochen zuvor hatte Diana bei ihrer Modeschöpferin Catherine Walker ein schwarzes, langärmeliges Wickelkleid geordert. Sie trägt es an diesem denkwürdigen Tag zum ersten Mal und für die Ewigkeit. ln ihren Händen ein Rosenkranz, den Diana von Mutter Teresa geschenkt bekommen hatte.


"Liebe Diana, ich hoffe, dass Du jetzt die Ruhe gefunden hast, die Du ewig gesucht hast."

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